19.06.26 08:00 - Lesezeit

Gleichheit und der schrumpfende Kuchen

Robert Karas

Chief Investment Officer, Partner

Wer mehr einzahlt, soll auch mehr rausbekommen. So lautet die Grundidee des österreichischen Pensionssystems. Über die vergangenen zehn Jahre wurden allerdings durch die Regierung niedrigere Pensionen stärker angehoben als höhere. Damit wurde dieses Versicherungsprinzip ausgehebelt und Solidarität gefordert.

Im Vordergrund steht der Wunsch nach Gleichheit. Deshalb progressive Steuern auf Einkommen und Pensionen. 

Über die Unmöglichkeit von Gleichheit.

Es ist einfach, von der erfolgreichen Unternehmerin zu verlangen, sie möge noch mehr zum Sozialstaat beitragen. Ganz vergessen wird aber dabei, welche Risiken sie für den Erfolg eingegangen ist und welche Opfer sie auf sich genommen hat. Es ist schon in Ordnung, wenn sich andere für mehr Sicherheit, Planbarkeit und geregelte Freizeit entscheiden. Doch wenn der Staat versucht, diese unterschiedlichen Lebenswege anzugleichen, nimmt er den Unternehmern von morgen den Anreiz, Risiken einzugehen.

Wer von Kapitaleinkünften lebt, macht sich besonders verdächtig, als ob dafür nichts gearbeitet werden muss. Doch in Wahrheit wurde die Leistung schon davor erbracht: Konsumverzicht, Sparsamkeit und die Risiken des Investierens waren der Preis, um Kapital zu schaffen. Ganz abgesehen davon, dass bereits besteuertes Geld investiert wurde, das danach wiederum besteuert wird. Wer will wirklich Gleichheit mit all jenen, die ihr Einkommen bereits vollständig konsumiert haben?

Zinseszins über die Lebensspanne.

Augenscheinlich wird die Unmöglichkeit der Gleichheit bei Dingen, die nichts mit Geld und Steuern zu tun haben. Wer lebenslang lernt und sich weiterbildet, wird sich besser in der Welt zurechtfinden. Auch wenn diese sich verändert.

Und wer körperlich aktiv ist, wird im Alter eine andere Mobilität haben als Menschen, die lieber auf der Couch liegen. Beide können das 80. Lebensjahr erreichen, doch der Kampf gegen den körperlichen Abbau trägt Zinsenzinsen, die unübersehbar sind.

In den Jahrzehnten meiner Arbeit habe ich vor allem Menschen kennengelernt, die ihr Vermögen durch hohen Einsatz und Leistung geschaffen haben. Sie gehen mit ihrem Vermögen verantwortungsvoll, überlegt und langfristig um (über Generationen!). Nicht nur zum eigenen Wohle, sondern auch zum Wohle der Gesellschaft. Diese Wahrheit hört man selten in der Politik oder in einer Budgetrede. Zumindest im Gutmann Blickwinkel soll sie einmal gesagt werden. 


PS: Wer mehr darüber lesen will, wie politisch verordnete Gleichheit die Grundlage zerstört, die Wohlstand überhaupt erst möglich macht, dem empfehle ich das Buch meines klugen Freundes Luca Dellana: „Poverty and Prosperity: The Principles That Build Civilizations and the Policies That Ruin Them“.

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