Jammern kann jeder
„Dies und jenes ist schlecht und das dort würd‘ ich auch anders machen.“ Es herrscht kein Mangel an Kritik, wenn es ums eigene Land, den Kontinent oder gleich „das System“ geht. Bürokratie nimmt über Hand, Steuern sowieso ein Wahnsinn und die Politiker, na ich fang erst gar nicht an. Sie kennen das sicher, bei Treffen im Familien- und Freundeskreis dauert es nie lange, bis man sich gegenseitig die Welt erklärt.
Mittlerweile trete ich in diesen Momenten eher einen Schritt zurück als vor. Denn was sollte mein Beitrag sein? Starke Meinungen zu Themen, in die ich wenig Einblick habe – nicht mein Fall. Immer stärker merke ich, dass ich das „Warum“ verstehen will. Was sind die Anreizsysteme, nach denen sich die handelnden Akteure richten.
Natürlich möchte ich auch gerne weniger Steuern zahlen. Aber bin ich der Richtige, um zu entscheiden, welche Leistungen dafür gestrichen werden sollten? Meine Vorschläge kämen nicht aus der Kompetenz des tiefen Verständnisses und der langjährigen Erfahrung, sondern aus eindimensionalem Selbstinteresse: Was nützt mir gerade am meisten?
Mit neuen Investmentformen flirten
Da gehen mir Investmentthemen leichter von der Hand. Das Ante für die Diskussion ist die Position im Depot, die ich oder mein Gegenüber im diskutierten Thema hält. Ein Freund von mir hat sein Finanzvermögen in Bitcoin investiert (dafür braucht er allerdings kein Depot). Ich höre gerne seine Meinung, denn er ist direkt betroffen, wenn sich der Preis bewegt und hat damit „skin in the game“ – er setzt also seine Haut aufs Spiel.
Auch wenn ich selbst keine Bitcoins halte, lerne ich von ihm. Ich kann seine Argumente weiterhin ablehnen. Aber ich erfahre zumindest, wie man viele Dinge anders betrachten kann: Staat, Steuern, Notenbanken, Währungen und Systeme.
Also flirte ich weiter mit dem Gedanken, mich der Welt des digitalen Golds zu nähern. Doch dann finde ich wieder ein Geschäftsmodell, das gerade abgestraft wird und so verlockend günstig bewertet scheint. Ich frage mich, ob der Markt sich hier nicht irrt. Und schon rückt Bitcoin in den Hintergrund…
An abgestraften Unternehmen mangelt es aktuell übrigens nicht. Im Software-Bereich werden gerade reihenweise Babys mit dem Bad ausgeschüttet. Aber das ist eine andere Geschichte.
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